Das Update des Mannheim Tax Index
2025 zeigt: Die relative steuerliche Standortattraktivität verändert sich bei
Niedrig- und Hochsteuerstandorten nur wenig. Gemessen an der effektiven
Durchschnittssteuerbelastung (EATR) steigen jedoch in mehreren mittel- und
osteuropäischen Staaten die Körperschaftsteuersätze und nähern sich dem
EU-Durchschnitt an. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Staaten
Investitionen nicht nur über Steuersätze, sondern auch über gezielte
steuerliche Anreize stimulieren können.
Körperschaftsteuer: Weniger
»Race to the Bottom«
In einigen Ländern steigen die
Steuersätze spürbar: Estland erhöht den allgemeinen Körperschaftsteuersatz von
20 auf 22 Prozent und schafft den reduzierten Satz von 14 Prozent ab, Litauen
hebt ihn von 15 auf 16 Prozent und die Slowakei sogar von 21 auf 24 Prozent.
Bereits im Vorjahr ihre Steuersätze erhöht hatten Slowenien (von 19 auf 22
Prozent) und Tschechien (von 19 auf 21 Prozent). Treiber dieses Trends sind die
Belastungen durch die multiplen Krisen der letzten Jahre – und damit der
gestiegene Bedarf für stabilisierte Staatseinnahmen.
»Derzeit beobachten wir in der EU
die Abkehr von einer aggressiven Steuerpolitik, bei der Standortvorteile vor
allem durch sinkende Steuersätze geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund ist
die geplante Senkung des kombinierten Unternehmenssteuersatzes bis 2032 von
rund 30 auf 25 Prozent in Deutschland ein sinnvoller Schritt. Damit nähert sich
Deutschland wieder einem konkurrenzfähigen Steuerniveau an, ohne direkt in
einen europäischen Unterbietungswettbewerb einzusteigen. Entscheidend wird
allerdings sein, Investitionen stärker über die steuerliche Bemessungsgrundlage
zu fördern, denn hier liegen die größten Hebel, um die Kapitalkosten wirksam zu
senken und zusätzliche Investitionsanreize zu setzen«, erklärt Julia Spix,
Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich »Unternehmensbesteuerung und
Öffentliche Finanzwirtschaft«.
Investitionsanreize wirken über
Kapitalkosten
Während Steuersatzänderungen die
EATR deutlich beeinflussen, wirken sich indirekte Steueranreize (z.B.
Abschreibungsregeln) insbesondere auf die Kapitalkosten aus – also auf die
Rendite, die eine Investition vor Steuern mindestens erzielen muss, damit sie
nach Steuern im Vergleich zu einer alternativen Geldanlage am Finanzmarkt noch
attraktiv ist. In Hochsteuerländern ist die Spannbreite groß: In den letzten
zehn Jahren lagen die Kapitalkosten in Italien und Portugal bei
durchschnittlich 4,6 Prozent (Patente) bzw. 4,1 Prozent (Maschinen). Das
Vereinigte Königreich hingegen senkte trotz Anhebung des
Körperschaftsteuersatzes auf 25 Prozent im Jahr 2023 die Kapitalkosten für
Maschinen durch vollständige Sofortabschreibung auf 4,7 Prozent. Deutschland
bietet großen Unternehmen derzeit deutlich weniger Anreize: Kapitalkosten von
5,7 Prozent (Patente) bzw. 6,4 Prozent (Maschinen) liegen klar über dem
angenommenen Marktzins der Geldanlage von fünf Prozent.
Der Mannheim Tax Index
Der Mannheim Tax Index ist ein
Indikator für das effektive Steuerniveau von Unternehmen. Hierbei vergleicht er
Länder und Regionen aus steuerlicher Sicht und berücksichtigt dabei alle
Steuern auf Gewinne und investiertes Kapital sowie die wichtigsten Regelungen
zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage. Somit wird ein umfassendes Bild der
Besteuerung gezeichnet, indem zwei generelle Stränge verfolgt werden: die
Besteuerung inländischer Unternehmen mitsamt ihren Anteilseignern und
grenzüberschreitende Unternehmensinvestitionen. Der Mannheim Tax Index basiert
auf dem investitionstheoretischen Ansatz von Devereux und Griffith (1999,
2003).
ZEW, Mitteilung vom 05.01.2026

